Chronologie des

Regensburger - Postkutscher - Museum

Mit mehr als 4.000 Postomnibussen und 10.000 Mitarbeitern des Dienstzweiges "Postreisedienst", war die Deutsche Bundespost das größte Verkehrsunternehmen Europas.

Um die Überleitung der Postbusse auf die Deutsche Bundesbahn auf Grund einer politischen Entscheidung doch noch abzuwehren, gründeten die Postbusfahrer auf Bundesebene 1980 den Arbeitsausschuss Unabhängige Postbusfahrer. Unabhängig deshalb, weil es den Postreisedienstmitarbeitern um die Sache und nicht um die Zugehörigkeit einer Partei oder Gewerkschaft ging. Die unabwendbare und endgültige Aufgabe des Postreisedienst in Regensburg endete am 30.10.1983. Zugleich fand eine Jahrhunderte anhaltende Tradition der Fahrgastbeförderung durch die Post, sei es mit Postkutschen oder des fast 80 jährigen motorisierten Personenverkehrs ein Ende.

Nach der Abgabe der Postbusse an die Deutsche Bundesbahn, wurde der bisherige Arbeitsausschuss Unabhängiger Postbusfahrer 1980 e.V. als rechtsfähiger Verein beim Registergericht Regensburg eingetragen ohne in die zwischenzeitlich bundesweit gebildeten Ortsgruppen der ehemaligen Postbusfahrer und deren postgeschichtliche Aktivitäten Einfluss zu nehmen.

Unter dem Dachverband "Bundesverband Unabhängiger Postbusfahrer 1980 e.V.", gründete die Regensburger Ortsgruppe den Postkutscher- Stammtisch- Regensburg mit dem Ziel, einen ausgemusterten Postbus vom Typ MB O 307 zu erwerben, um nach der Fahrzeugrestaurierung 2 oder 3 Vereinsfahrten im Jahr durchzuführen.

Die erstmaligen Restaurierungskosten im Jahr 1989 beliefen sich auf 100.000,- DM. Die erforderlichen Geldmittel hierfür wurden mit der Herausgabe von Sonderstempelexponaten für Philatelisten anlässlich hochrangiger und bundesweit beachteter Anlässe finanziert.

Was wir in unserer Euphorie und Blauäugigkeit nicht beachteten war die Tatsache, dass der Gesetzgeber zu Fahren des Omnibus eine Buskonzession voraussetzt und diese wiederum nur durch den Nachweis einer Verkehrsunternehmerprüfung erteilt wird. Nach dem ich auch diese Hürde genommen hatte, waren wir bzw. der Bundesverband Unabhängiger Postbusfahrer 1980 e.V. offizielle Verkehrsunternehmer geworden und dies in einer Sache die ursprünglich nur als sporadisches Hobby gedacht war.

So wird unser Postbus seither für Schul- und Sonderfahrten aller Art eingesetzt und dadurch auch die wirtschaftliche Existenz des Bundesverband wie des Regensburger-Postkutscher-Museum gesichert.

 

Die eigentliche Entstehung des Regensburger - Postkutscher - Museum.

 

Obwohl wir als gemeinnütziger Kulturverein anerkannt und von der Körperschaftssteuer befreit waren, sollten wir nach der Herausgabe unserer postgeschichtlichen Telefonkartenedition "Die Goldenen 15" - Historische Postbusabbildungen auf Telefonkarten - eine mehrstellige Steuernachzahlung leisten mit der Begründung, dass uns hierfür keine Steuerbefreiung zusteht, weil wir mit diesem Produkt in Konkurrenz mit Privatanbietern stehen. Eine Abwendung dieser für uns unbezahlbaren Finanzamtforderung war nur möglich, wenn wir den Nachweis als offizielles Postmuseum mit Anerkennung durch die Bayerischen Nationalmuseen bekommen.

Da wir unsere technischen Fertigkeiten nach der erfolgreichen Busrestaurierung auch noch für weitere, zwischenzeitlich, erworbene Postfahrzeuge einsetzten, fiel es uns nicht schwer die Prüfungskriterien der Bayerischen Nationalmuseen zu erfüllen, so dass die Zahlungsforderung des Finanzamtes Regensburg niedergeschlagen werden konnte.

Neben mehreren Postomnibussen, Groß- und Kleinfahrzeugen, verfügen wir über einen Postomnibus von Pferden gezogen des Baujahres 1911. Mit dieser "Kutsche" und Fußtruppen in königlich-bayerischer Postillionsuniform von 1840, beteiligen wir uns an Festzügen oder sonstigen Jubiläumsveranstaltungen.

Eine Museumsführung dauert 2 Stunden und endet mit der Verabreichung einer Posthaltersuppe nach einem überliefertem Rezept des Posthalters und Gastwirt Johann Jakob Gaiser von 1707 als der Postkurs von Regensburg nach Eger eingerichtet wurde. Zur Kurzweil wird während der Verpflegung ein Videofilm über eine Biedermeierreise vorgeführt.

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass die Verkehrsgesetzgebung aus einer zwanglosen Stammtischidee ein Verkehrsunternehmen mit Omnibusbetrieb machte und die Finanzgesetzgebung aus einem Postoldtimerhobby einen geregelten Museumsbetrieb entstehen ließ.

 

G. Graßmann

Geschäftsführer und 1. Vorsitzender